© Verena Pfefferkorn

Auf dem Friedensweg

in den Fleimstaler Alpen und in den Dolomiten

25.08.2025

Oder: was feucht-nass begann, mit einem ganz besonderen „Zufall“ gespickt wurde und unter funkelndem Sternenhimmel endete.

Eine Tour auf dem Friedensweg mit Teilnehmern der Sektionen Passau, Pfarrkirchen und Dillingen führte zu Beginn in die Fleimstaler Alpen. Dort empfing die zehnköpfige Gruppe erst einmal so ungemütliches Wetter, dass die Hütte Volpi Mulaz erst kurz vor dem Betreten in Sicht kam und im Innern der Platz zum Trocknen gar nicht ausreichen konnte. Hütte gut, alles gut. Aber NULL Sicht! Wie schrecklich, wenn man erahnt, welche Sicht sich bieten würde, wenn das Draußen nicht vollends in Wolken stecken würde. Die Hoffnung auf den nächsten Morgen war nicht groß. Und leider auch zutreffend.

Etappe 2 stand weiterhin unter dem Eindruck von Regen und wurde gedanklich in 3 Etappen eingeteilt: Der Abstieg nach Passo Valles mit Einkehr – die Überschreitung nach San Pellegrino mit Einkehr – der Aufstieg zur Bergvagabundenhütte als Tagesziel. Die Aussicht, zwischendurch immer mal wieder trocknen zu können, war tröstlich. Doch der Wettergott entschied, dass nach Etappe 1 schon genug Regen durch war und ließ den Rest des Tages den Regen nur vom Himmel stürzen, wenn die Wanderer sich dem Schlemmen widmeten.

Die letzten Meter zur Bergvagabundenhütte Rifugio Passo Selle und auch der dort endende Kamm des Bruno-Federspiel-Klettersteigs boten ganz besondere Fotomotive – beeindruckend schön und ebenso bedrückend.

Auf der Bergvagabundenhütte fanden sich ebenfalls Michele Federspiel und sein Freund, Thomas Winnischhofer ein. Sie sind seit vielen Jahren Freunde und waren wie jedes Jahr gemeinsam auf einer Etappe unterwegs. Im Laufe des Abends entstand ein wunderbares Gespräch. Michele`s Buch, das auf der Hütte für alle zur Einsicht lag, zeigte viele Details zu den Kriegshandlungen. Er erzählte und zeigte die Schauplätze auch auf der Karte. Thomas übersetzte und ließ auch durchblicken, dass sie gerne bereit wären, den Friedensweg auf dem Bepi-Zack-Klettersteig – einem Verbindungsweg vom 1. Weltkrieg - am nächsten Tag gemeinsam zu begehen. Es war zu spüren, wie viel es den beiden bedeutete, die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Und auch, wie erfreut sie waren, dass diese Gruppe Deutscher dieser Geschichten wegen hier war.

So begann der nächste Morgen mit einem guten Frühstück, ein paar Sonnenstrahlen für eine Gruppe von nun zwei Bergsteigern mehr.

Wir starteten beim Einstieg zum Klettersteig Bepi Zac und gingen entlang der ehemaligen vordersten Linie der k.u.k. Truppen, interessant dabei, dass hier auch das deutsche Alpenkorps kämpfte und viele Stellungen ausbaute. Immer wieder erklärte Michele Simonetti Federspiel – dem Kurator des Museums „la gran vera“ in Moena – die damaligen Kampfhandlungen, während Thomas Winnischhofer vom Leben der Soldaten und den politischen Hintergründen erzählte.

Nun gingen wir hinauf zur Cima Campaniac , wo sich eine Artilleriestellung befand und die in den Kampfhandlungen für die Österreicher eine wichtige Rolle spielte. Von Campaniac führte uns der Klettersteig immer näher an die stark umkämpfte Zone von Cima Costabela und Sass di Costabela. Beim Sass di Costabela kamen wir zur ersten italienischen Stellungslinie. Bei allen ehemaligen Stellungen und Baracken sind Erklärungstafeln angebracht, die imposanteste Stellung war jedoch das italienische Observatorium, das über mehrere schmale Leitern erklommen werden musste. Oben angekommen hat man einen Ausblick wie aus der Vogelperspektive, hinüber zu den ehe. Österreichischen Stellungen. Im Inneren des Observatoriums gibt es eine kleine Bildergalerie von verstümmelten Soldaten mit den dazugehörigen Erklärungen, damit will der Museumsverein „la gran vera“ auf die Sinnlosigkeit und die Grausamkeit aller Kriege hinweisen. Nach dem Abstieg vom Observatorium trennten sich unsere Wege, Michele und Thomas stiegen Richtung Pellegrinopass ab, während wir weiter Richtung Contrin stiegen.

Unter dem Eindruck der Bilder, Geschichten und Emotionen führte der Weg immer wieder auch anspruchsvoll zum Rifugio Contrin und der Bachlauf davor diente als herrliche Abkühlung für die fleißigen Füße.

Das nächste Highlight der Tour war für den vierten Tag geplant. Der Aufstieg zur Marmolata auf erst unschwierigem Weg über dann steiles, steiniges Zick-Zack hinauf in die Scharte, wo der Klettersteig begann. Auch wenn der Steig in mittlerer Schwierigkeit nicht allzu anspruchsvoll ist, so schwingen hier viele Eindrücke mit: die Sicht auf den Fedajasee, den Sellastock, den Piz Boe einerseits – der Gedanke an Kriegshandlungen, die Bedingungen für die Soldaten und nicht zuletzt das schlimme Unglück 2022 beim Abbruch des Marmolata Gletschers andererseits. Vom Gletscherrückgang ganz zu schweigen…

Am Gipfel angekommen herrschte jedoch Hochstimmung. „Es geschafft zu haben“ ist einfach ein wunderbares Gefühl. Und wenn sich dazu noch die Wolken heben, die Sonne wärmt, der Wind Pause macht und eine kleine Brotzeit den Körper stärkt, gibt es kaum etwas schöneres für Bergsteigerinnen und Bergsteiger.

Der Abstieg machte dann richte Spaß. Die Gruppe merkte aufgrund des anhaltenden Gegenverkehrs im Steig, wie viel Glück sie doch hatte, am Gipfel eine halbe Stunde allein verbracht zu haben. Und bei einem Stück Kuchen, Kaffee, Bier und einer Brotzeitplatte durfte der letzte tolle Tag dann ausklingen. Der fünfte Tag war noch für Sonne, eine Wanderung und die Heimfahrt reserviert. Wie schön, wenn alle gesund und motiviert wieder zuhause ankommen und sich an eine eindrucksvolle Tour zurück erinnern….