Kurzer Abriss Gebirgskrieg
Der Gebirgskrieg während des Ersten Weltkriegs war eine der härtesten und außergewöhnlichsten Auseinandersetzungen in der Geschichte der Alpen. Zum ersten Mal wurde die Hochregion Schauplatz langanhaltender, schwerer Kämpfe. Der Gebirgskrieg begann 1915, nachdem Italien am 23. Mai auf der Seite der Entente (Frankreich, Großbritannien, Russland) in den Krieg eingetreten war und Österreich-Ungarn den Krieg erklärt hatte – unter anderem, um Gebietsgewinne zu erzielen.
Da die Armee Österreich-Ungarns schon fast ein Jahr in schweren Abwehrkämpfen an der Ostfront und auf dem Balkan stand, verfügte sie über keine nennenswerten personellen Reserven zur Verteidigung der Südwestfront – bereits über 50 % des erfahrenen Alpinpersonals der k.u.k. Armee war gefallen. Das letzte Aufgebot, vor allem nicht mehr oder noch nicht Militärdienstpflichtige, zog mit den Standschützen und den freiwilligen Schützen an die bedrohte Südgrenze der Monarchie.
Die Kriegshandlungen erstreckten sich über eine 600 Kilometer lange Grenze, davon 550 Kilometer im Hochgebirge. Die Soldaten mussten unter extremen Bedingungen wie Kälte, Lawinen und Höhenkrankheit kämpfen. Oft stellte nicht der Feind, sondern die Natur die größere Bedrohung dar.
Weite Teile des Hochgebirges waren noch nicht ausreichend durch Alpinismus oder Tourismus erschlossen. In diesem unwegsamen Gelände mussten zunächst Straßen, Saumwege und Klettersteige gebaut werden, um die Infrastruktur für die Höhenstellungen überhaupt sicherzustellen. In der Anfangszeit hatten die Soldaten vor der Witterung kaum mehr Schutz als Zeltbahnen. Die ersten Stellungen bildeten flüchtig aufgeschichtete steinerne Brustwehren und Sandsäcke. Später bauten beide Seiten kilometerlange Stollen in Fels und Eis, um sich zu schützen und strategische Positionen zu halten. Schnell entwickelte sich ein Stellungskrieg, bei dem immer schwerere Waffen zum Einsatz kamen und die Verluste auf beiden Seiten zunahmen – dennoch verschob sich die Front über lange Zeit kaum.
Der geschichtliche Hintergrund zum Gebirgskrieg wurde zusammengestellt von Andrea Voggenreiter und basiert hautpsächlich auf der zu den speziellen Themen angegebenen Sekundärliteratur. Andrea Voggenreiter ist Diplom-Greographin, leidenschaftliche Kletterin und Kletterbetreuerin beim DAV Passau und Deggendorf. Sie befasst sich seit längeren mit dem Thema Gebirgskrieg und hat hierzu den historischen Fantasy-Roman "Allianz im Eis" verfasst. Homepage: www.andreavoggenreiter.de