Phasen des Gebirgskriegs

Der Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Italien, der vom Mai 1915 bis zum 4. November 1918 dauerte, lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die den wechselvollen Verlauf des Krieges an der Alpenfront und im Karst widerspiegeln:

 

Mai 1915 – Sommer 1915

Abtasten und Aufbau der Front

In den ersten Kriegswochen kam es zunächst zu einem gegenseitigen Abtasten. Patrouillen und kleinere Gefechte, geführt von Bergführern und Spähtrupps, bestimmten das Bild. Rasch entwickelte sich jedoch eine durchgehende Front, die sich entlang der gesamten Alpen- und Karstregion erstreckte. Der Stellungskrieg begann, und beide Seiten bauten ihre Verteidigungsstellungen aus.

 

Mai 1916 – August 1916

Die österreichische Frühjahrsoffensive und die italienische Antwort

Die österreichische Frühjahrsoffensive, bekannt als „Strafexpedition“, wurde im Mai 1916 von der Hochfläche von Folgaria-Lavarone aus gestartet. Ziel der Offensive war ein Durchbruch durch die italienischen Linien in Richtung der venezianischen Tiefebene. Obwohl die österreichisch-ungarischen Truppen anfänglich Erfolge erzielten, musste der Angriff aufgrund des italienischen Widerstands abgebrochen werden. Im August 1916 antworteten die Italiener mit der 6. Isonzoschlacht, in der sie Görz eroberten und die österreichischen Truppen auf neue Verteidigungsstellungen zurückwarfen.

 

1916 – 1917

Materialschlachten an der Isonzofront und im Hochgebirge

In den Jahren 1916 und 1917 fanden massive Materialschlachten an der Isonzofront und in den hochalpinen Gebieten statt. Vor allem in den blutigen Kämpfen der 7. bis 11. Isonzoschlacht verloren Hunderttausende Soldaten beider Seiten ihr Leben, ohne dass entscheidende Geländegewinne erzielt wurden. Der Krieg im Hochgebirge war durch extreme Wetterbedingungen, Lawinengefahr und dem mühseligen Nachschub geprägt.

 

Oktober-Dezember 1917

Die 12. Isonzoschlacht und der Durchbruch bis zum Piave

Die 12. Isonzoschlacht, auch als „Schlacht von Caporetto“ bekannt, war eine der bedeutendsten Operationen des Krieges. Mit Unterstützung deutscher Truppen gelang den Österreichern im Oktober 1917 ein massiver Durchbruch bei Flitsch-Tolmein, der die italienischen Linien zusammenbrechen ließ. Die österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen drangen bis zum Piave vor und erreichten die venezianische Tiefebene, was zu einer schweren Niederlage der italienischen Armee führte.

 

Januar – Juni 1918

Stellungskrieg und Konsolidierung der italienischen Armee

Nach dem Rückzug an den Piave stabilisierte sich die Front wieder. Die italienische Armee erholte sich allmählich von der Niederlage und wurde durch britische und französische Truppen verstärkt. In dieser Phase wurden die Verteidigungsstellungen ausgebaut, und es kam zu einem erneuten Stellungskrieg entlang des Piave, aber auch im Gebirge.

 

Juni 1918

Die österreichisch-ungarische Junioffensive

Im Juni 1918 unternahmen die österreichisch-ungarischen Truppen einen letzten Versuch, den Piave zu überschreiten und einen entscheidenden Sieg zu erringen. Die Offensive, die als Junischlacht bekannt ist, scheiterte jedoch trotz anfänglicher Erfolge aufgrund von Nachschubproblemen, Hochwasser und dem erbitterten Widerstand der Alliierten. Dies markierte das Ende der offensiven Operationsfähigkeit der österreichisch-ungarischen Armee.

 

Sommer – Herbst 1918

Zerfall der österreichisch-ungarischen Armee und des Staates

Im Sommer und Herbst 1918 begann die österreichisch-ungarische Armee zu zerfallen. Der zunehmende Mangel an Nachschub, die Erschöpfung der Truppen und die innenpolitischen Spannungen im Vielvölkerstaat führten zum allmählichen Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie. Die moralische und organisatorische Schwäche der Armee wurde immer offensichtlicher.

 

24. Oktober – 4. November 1918

Der alliierte Gegenstoß und das Ende der Donaumonarchie

Am 24. Oktober 1918 starteten die italienischen und alliierten Truppen ihre Schlussoffensive. Mit einem massiven Angriff über den Piave und auf das Monte-Grappa-Massiv drangen sie tief in die österreichischen Linien vor. Dieser Gegenstoß führte zum endgültigen Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Armee und zum Sturz der Donaumonarchie. Am 4. November 1918 unterzeichnete Österreich-Ungarn einen Waffenstillstand, der den Krieg beendete.

 

Sekundärliteratur

Walter Schaumann, Peter Schubert: Süd-West-Front – Österreich-Ungarn und Italien 1914-1918, Verlag Mayer & Comp., Wien o.D.