Besondere Leistungen der Bergführer

Im Gebirgskrieg des Ersten Weltkriegs spielten die Bergführer eine entscheidende Rolle. Ihre alpinistische Expertise und Ortskenntnis machten sie unverzichtbar, da sie in den unzugänglichen Hochgebirgsregionen strategisch wichtige Positionen erobern und halten konnten. Große Militäreinheiten hingegen stießen in diesem extremen Terrain schnell an ihre Grenzen.

Ein besonders herausragendes Beispiel ist Sepp Innerkofler, ein bekannter Bergführer, der mit seiner „Fliegenden Patrouille“ immer wieder Überraschungsangriffe gegen die Italiener führte. Die Patrouillen, oft nur aus wenigen erfahrenen Bergführern bestehend, führten aber nicht nur Angriffe durch, sondern erkundeten auch das Gelände und verwirrten den Feind mit gezielten Manövern. Ihre Fähigkeit, in schwer zugänglichem Terrain strategisch wichtige Gipfel zu besetzen, machte sie zu entscheidenden Figuren im Gebirgskrieg. Der Erfolg oder Misserfolg vieler Operationen hing oft davon ab, ob diese Gipfel gehalten werden konnten. Der unermüdliche Einsatz der Bergführer unter extremen Bedingungen machte sie zu Helden des Gebirgskrieges, deren Leistungen bis heute in Erinnerung geblieben sind.

Mit dem zunehmenden Bedarf an alpin erfahrenen Soldaten wuchs auch die Bedeutung spezialisierter Einheiten. Die Ausbildung dieser Einheiten erfolgte bei der Bergführer-Ersatzabteilung in Bozen bzw. bei der Ausbildungskompanie in St. Christina in Gröden. Der praktische Teil der Ausbildung fand meist am Sellajoch statt, von wo es in die Felsen der Langkofelgruppe ging. Bekannte Alpinisten wie Luis Trenker, die Brüder Jahn sowie die Bergführer Dibona und Dimai waren zeitweise als Ausbilder tätig.

 

Sepp Innerkofler

Sepp Innerkofler (* 28. Oktober 1865 in Sexten, Südtirol; † 4. Juli 1915 am Paternkofel) war ein bekannter österreichischer Bergführer und Gastwirt. Im Ersten Weltkrieg spielte Innerkofler eine entscheidende Rolle als Anführer eines Trupps der Tiroler Standschützen, die die Südgrenze Tirols gegen Italien verteidigten. Innerkofler fiel 1915 bei einem Versuch, den von italienischen Truppen besetzten Gipfel des Paternkofels zurückzuerobern. Die genauen Umstände seines Todes sind umstritten, doch sein Name ist bis heute eng mit den Sextener Dolomiten verbunden.

Tipp auf Youtube: Universität Innsbruck/Markus Wurzer (2015): Ringvorlesung Erster Weltkrieg: „Der Tiroler Kriegsheld Sepp Innerkofler. Fakten – Fiktion – Mythos“

 

Angelo Dibona

Angelo Dibona (* 7. April 1879 in Cortina d’Ampezzo; † 21. April 1956 ebenda) war ein herausragender österreichischer Bergführer und Alpinist, der als einer der besten Kletterer seiner Zeit gilt und durch zahlreiche Erstbegehungen berühmt wurde. Sogar Prominente ließen sich von ihm führen. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Kaiserjäger und Ausbilder für Bergführer an der Dolomitenfront. Dibona blieb zeitlebens den Dolomiten treu und wurde für seine Leistungen als Mensch und Bergsteiger hoch verehrt.

 

Luis Trenker

Luis Trenker (* 4. Oktober 1892 in St. Ulrich in Gröden; † 12. April 1990 in Bozen) war ein bedeutender Bergsteiger, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Bekannt wurde er durch seine Filme über die Alpen und das Bergsteigen, in denen er oft selbst die Hauptrolle spielte und Regie führte. Während des Ersten Weltkriegs diente Trenker zunächst bei der schweren Artillerie an der Ostfront und dann als Bergführer an der Dolomitenfront. Seine Erfahrungen verarbeitete er in zahlreichen Büchern und Filmen, die das harte Leben und den Kampf in den Bergen eindrucksvoll dokumentieren. In den 1920er-Jahren begann seine Filmkarriere. Seine Werke thematisierten oft seine Liebe zu den Bergen und zur Heimat. Seine Karriere war jedoch auch durch seine Nähe zum Nationalsozialismus und italienischen Faschismus umstritten. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Trenker seine Arbeit als Filmemacher und Schriftsteller fort und machte die Bergwelt einem breiten Publikum zugänglich.

Tipps auf Youtube:

  • Luis Trenker: Berge in Flammen (gesamter Spielfilm)
  • Reihe des BR: Luis Trenker erzählt

 

Sekundärliteratur

- Museum 1915-1918 Kötschach-Mauthen [Hrsg.]: Vom Ortler bis zur Adria – Der Gebirgskrieg zwischen Österreich-Ungarn und Italien, Peter-Kübler Verlag & Medienservice, Unterkirnach 2018.

- Alexander Jordan: Krieg um die Alpen – Der Erste Weltkrieg im Alpenraum und der bayerische Grenzschutz in Tirol, Zeitgeschichtliche Forschungen Band 35, Duncker & Humbold, Berlin 2008.