Frontabschnitte
Die Front selbst gliederte sich in mehrere geografisch und historisch unterschiedliche Abschnitte – rund 90% davon waren Gebirgsfront, teilweise sogar im extremen Hochgebirge, das eigentlich nur geübten Alpinisten zugänglich war.
Ortler – Adamello – Judikarien
Die Front erstreckte sich vom Dreiländereck Schweiz, Österreich-Ungarn und Italien, beginnend am Stilfserjoch, über den Ortler, den Tonale-Pass, das Adamello-Massiv nach Judikarien, zur Nordspitze des Gardasees bis ins Etschtal bei Rovereto.
Der Ortler war der höchste Berg der damaligen Monarchie, mit Stellungen auf bis zu 3.899 Metern Höhe, auf denen auch ein österreichisches Geschütz stationiert war. Riva war schon damals nicht nur ein beliebter und mondäner Badeort, der gerne von der High Society besucht wurde, sondern auch Garnisonsstadt von Kaiserjägern und Landesschützen. Eine Schmalspurbahn verband Riva mit Mori im Etschtal.
Der Großteil der Kämpfe fand unter extremen hochalpinen Bedingungen statt, oft auf Skiern oder bei waghalsigen Kletteraktionen. Lange Eisstollen dienten als Zugänge und zur Verbindung der Stellungssysteme, wurden aber auch für gegenseitige Angriffe genutzt. Die Kämpfe wurden überwiegend von kleineren Einheiten in Kompanie- oder Bataillonsstärke geführt, da nur relativ wenige Truppen dort eingesetzt waren.
Der Presena-Gletscher wurde im Juni 1915 Schauplatz eines erbitterten Gefechts und war damit einer der ersten Schauplätze von Kämpfen auf einem Gletscher.
Neben mehreren italienischen Angriffen entlang dieses Frontabschnittes, die die österreichisch-ungarischen Linien immer wieder zurückdrängten, gab es zwei größere österreichische Offensiven: den gescheiterten Durchbruchsversuch im Sommer 1918 während der Junioffensive und die erfolgreiche Rückeroberung der Punta San Matteo am 3. September 1918, der letzten erfolgreichen Operation der österreichisch-ungarischen Truppen.
Hochfläche von Folgaria-Lavarone
Die Hochfläche von Folgaria-Lavarone zerfällt in eine Reihe von Hochflächen, die durch tief eingeschnittene Täler voneinander getrennt sind. Sie spielte während des Ersten Weltkriegs eine entscheidende strategische Rolle, da sie für beide Seiten von großer Bedeutung war. Für Österreich-Ungarn bildete sie die letzte Etappe vor der norditalienischen Tiefebene, während die Italiener von hier aus den Durchbruch nach Trient erhofften. Aufgrund ihrer Lage war die Region prädestiniert für den Einsatz großer Truppenverbände.
Auf beiden Seiten entstanden moderne Sperrforts, um die Front zu stabilisieren. Die Österreicher bauten nach der Jahrhundertwende auf einer Länge von 25 Kilometern sieben Panzerwerke, die mit modernen Geschützen ausgestattet waren, um ihr Vorfeld zu sichern. Diese Befestigungen sollten einem potenziellen Angriff Italiens entgegenwirken, das als unsicherer Bündnispartner galt. Die italienische Armee reagierte auf die österreichischen Befestigungen und errichtete Fernkampfwerke, deren Geschütze eine größere Reichweite besaßen.
Von Mai 1915 bis Mai 1916 bekämpften sich die Forts der beiden Seiten erbittert, wobei die italienischen Truppen trotz schwerer Verluste und wiederholter Versuche, die österreichischen Linien zu durchbrechen, scheiterten. Die österreichischen Werke hielten ein ganzes Jahr den italienischen Angriffen stand. Trotz intensiver Artilleriebeschüsse und massiver Angriffe blieben die österreichischen Stellungen stabil.
Im Mai 1916 starteten die Österreicher von dieser Hochfläche aus die Frühjahrsoffensive (Strafexpedition) gegen Italien. Anfangs erzielte die Offensive große Erfolge, und die Angriffsspitzen drangen bis in den Pasubio-Abschnitt und die Höhen um Asiago vor. Doch aufgrund des verstärkten italienischen Widerstands und des Erfolgs der russischen Truppen an der Ostfront musste der Angriff abgebrochen werden.
Trotz schwerster Kämpfe und enormer Verluste auf beiden Seiten konnte keine der Kriegsparteien auf dieser Hochfläche einen entscheidenden Sieg erringen. Die Region blieb bis Kriegsende ein umkämpftes Gebiet, das jedoch nie vollständig von einer Seite beherrscht werden konnte.
Fleimstaler Alpen und Lagorai-Kette
Das Fleimstal, ein eher abgelegener und auch heute noch einsamer Teil der Alpen, war während des Ersten Weltkriegs von 1915 bis 1917 ein weniger intensiv umkämpfter Kriegsschauplatz.
Die Front im Fleimstal erstreckte sich vom Valsugana hinauf zur Panarotta und weiter zum Passo Manghen, wo der Frontabschnitt in der Lagorai-Gruppe begann. Diese erstreckte sich hin zum Pellegrinopass und führte weiter zum Frontabschnitt der Fassaner Alpen.
Zu Beginn des Krieges im Jahr 1915 gab es hier keine durchgehende Front, sondern eher vereinzelte Patrouillenkämpfe zwischen österreichischen und italienischen Truppen. Nach der österreichischen Frühjahrsoffensive 1916 versuchten die Italiener jedoch, ab Mitte Juli eine Offensive in diesem Gebiet durchzuführen, um die gegnerischen Linien zu durchbrechen. Trotz andauernder Angriffe während des gesamten Sommers und Herbstes 1916 konnten die Italiener nur lokale Fortschritte erzielen, ohne eine entscheidende Wende herbeizuführen.
Selbst der Winter 1916/17 brachte keine Ruhe an der Fleimstalfront. Trotz der hohen Schneelage setzten die Italiener ihre Angriffe im März 1917 fort, jedoch erneut ohne Erfolg. Angesichts des festgefahrenen Stellungskrieges verlagerten beide Seiten ihre Kampfhandlungen ins Innere der Berge und begannen mit dem Bau von Minenstollen. Am 19. September 1916 zündeten die Italiener eine Mine am Colbricon, wodurch die österreichische Besatzung verschüttet wurde. Doch bereits kurze Zeit später wurden die Stellungen von österreichischen Reservetruppen zurückerobert, und die Italiener unternahmen keinen weiteren Sturmangriff.
Die Dolomitenfront
Marmolata
Die Marmolata war während des Ersten Weltkriegs von 1915 bis 1917 Schauplatz eines extremen Hochgebirgskriegs. Das mächtige Eisgebirge, das die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien bildete, blieb zunächst aufgrund des schwierigen Geländes von größeren Kämpfen verschont. Nachdem die Österreicher Teile der Marmolata besetzt hatten, gelang den italienischen Alpini 1916 die Besetzung des Serauta-Grats (2.963 m). Dadurch gerieten die österreichischen Stellungen unter ständiges Artilleriefeuer, und die Versorgung der Truppen wurde erheblich erschwert.
Um diesem Problem zu begegnen, hatte der österreichische Alpinreferent Leo Handl die Idee, eine „Eisstadt“ unter der Oberfläche des Gletschers zu errichten. Ein weit verzweigtes Tunnelsystem, das mehrere hundert Höhenmeter überwand und eine Länge von mehreren Kilometern erreichte, verband die Gletscherzunge mit den österreichischen Stellungen und ermöglichte es, die Soldaten und Nachschubwege vor feindlichem Beschuss zu schützen. In den Gletschern wurden Unterkünfte für rund 300 Mann sowie Lagerhäuser angelegt, in denen eine gleichbleibende Temperatur von +4 bis +6 Grad herrschte.
Doch der Winter 1916/17 war extrem schneereich und führte zu großen Katastrophen. Am 13. Dezember 1916 löste sich von der Punta di Penia eine gewaltige Lawine, die das österreichische Lager Gran Poz verschüttete und etwa 300 Tote forderte – das größte Lawinenunglück der Kriegszeit. Die Kämpfe an der Marmolata dauerten bis zum Herbst 1917 an, als sich die italienischen Truppen zurückziehen mussten.
Col di Lana – Lagazuoi – Fanes – Tofanen
Der Frontabschnitt um den Col di Lana, den Lagazuoi, die Fanes und die Tofanen war ebenfalls von 1915 bis 1917 ein hart umkämpfter Kriegsschauplatz.
Der Col di Lana (2.462 m), von den Österreichern besetzt, war eines der bedeutendsten Ziele der Italiener. Trotz intensiver Bemühungen gelang es ihnen nicht, den Gipfel zu erobern. Daher entschieden sie sich, die österreichischen Stellungen im April 1916 durch eine Mine zu sprengen. Die Detonation tötete etwa 100 österreichische Soldaten, und weitere 150 gerieten in Gefangenschaft. Die Österreicher zogen sich auf den nahegelegenen Monte Sief zurück, wo ebenfalls erbitterte Kämpfe und Minensprengungen stattfanden.
Auch der Kleine Lagazuoi (2.778 m) war hart umkämpft. Zunächst wurden Rollbomben eingesetzt, doch dann legten beide Seiten gewaltige Minen an. Dieser technische Aufwand unterstrich die Verzweiflung beider Seiten, sich in einem Krieg festzubeißen, in dem infanteristische Angriffe oft unmöglich waren.
Die Tofanen waren ein weiteres umstrittenes Gebiet. Bereits 1915 konnten die Italiener die Tofana di Rozes (3.225 m) erobern und gefährdeten damit die österreichischen Stellungen in der Fontana-Negra-Scharte und am Castelletto. Im Juli 1916 fielen beide Stellungen: die Fontana-Negra-Scharte durch Nahkampf und das Castelletto, nachdem die Italiener eine Mine mit 35.000 kg Sprengstoff gezündet hatten. Nach diesen Verlusten zogen sich die Österreicher in die Fanes-Region zurück, wo die Kämpfe bis zum Herbst 1917 andauerten.
Sextener Dolomiten
Die Sextener Dolomiten, insbesondere die Drei Zinnen, waren von 1915 bis 1917 Schauplatz heftiger Kämpfe. Zunächst wurden die Gebiete nur von Patrouillen bewacht, die gelegentlich Feuergefechte führten. Doch im Sommer 1915 begannen die Italiener, strategisch wichtige Positionen zu besetzen, woraufhin die Österreicher nachzogen. Ihnen gelang die Besetzung der Sextener Rotwand, des Toblinger Knotens und teilweise des Monte Piano.
Der Monte Piano, ein Schlüsselpunkt in diesem Abschnitt, entwickelte sich zu einem Brennpunkt der Kämpfe. Die Südkuppe wurde von Italienern gehalten, während die Nordkuppe in österreichischer Hand war. Die Italiener versuchten, durch die Eroberung des Piano das Pustertal mit der wichtigen Eisenbahnlinie unter Kontrolle zu bringen. Trotz schwerer Artillerieeinsätze und zahlreicher italienischer Angriffe gelang es den Österreichern, ihre Stellungen zu verteidigen. Auf beiden Seiten wurde der technische Aufwand immer größer.
Die Italiener setzten auch hier auf den Minenkrieg, konnten jedoch keine entscheidende Sprengung durchführen. Erst die Offensive von Flitsch-Tolmein im Herbst 1917 beendete die Kämpfe in den Sextener Dolomiten. Bis dahin hatten beide Seiten enorme Verluste erlitten, ohne dass sich der Frontverlauf wesentlich verändert hätte.
Karnische Alpen
Insgesamt galten die Karnischen Alpen, die im Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1917 einen wichtigen Teil der Frontlinie zwischen Österreich-Ungarn und Italien bildeten, als weniger intensiv umkämpfte Region. Die Frontlinie verlief entlang des Karnischen Kamms durch hochalpines Gelände. Die Kämpfe wurden oft durch die extremen Bedingungen des Hochgebirgskrieges geprägt, und der technische Aufwand, um die Stellungen zu sichern und den Nachschub aufrechtzuerhalten, war enorm.
Der westliche Abschnitt der Front, der bei Sexten und Sillian begann, zog sich über Gipfel und Übergänge wie den Hornischek, den Obstanser Sattel und die Filmoorhöhe. Diese Gebiete waren meist abgelegen und schwer zugänglich, sodass sie vor allem durch kleinere Stützpunkte und Patrouillen gesichert wurden. Die Kämpfe beschränkten sich hier meist auf kleinere Vorstöße und Verteidigungsoperationen.
Im östlichen Abschnitt der Karnischen Alpen, insbesondere um den Kleinen und Großen Pal, den Freikofel und den Rosskofel, führten die Österreicher die Hauptkampflinie entlang des Karnischen Kamms. Auf der italienischen Seite lagen die Stellungen jenseits des Kamms auf den Gipfeln des Monte Zermula, Monte Salinchiet und Monte Cullar. Diese Gebiete waren durch schwer zugängliche Täler getrennt, was groß angelegte Angriffe erschwerte. Der Plöckenpass war der einzige fahrbare Straßenübergang in den Karnischen Alpen und hatte daher strategische Bedeutung.
Zunächst befanden sich der Kleine Pal und der Cellon in italienischer Hand. Die Österreicher starteten im Sommer 1915 eine Offensive, um die Grenzhöhen zurückzuerobern, und konnten Teile des Kleinen Pal erobern. Beide Seiten bauten ihre Stellungen stetig aus, sodass die Frontlinien teilweise nur wenige Meter voneinander entfernt waren. Der Cellon wurde von österreichischen Freiwilligen in einem Kommandoangriff zurückerobert, jedoch 1916 durch einen italienischen Überraschungsangriff wieder verloren. Dies ermöglichte den Italienern, die österreichischen Stellungen auf dem Kleinen Pal sowie das weiter nördlich gelegene Kötschach-Mauthen zu beobachten und zu bombardieren.
Um die Versorgung sicherzustellen, bauten die Österreicher die Cellon-Schulter aus und legten einen 250 Meter langen Nachschubstollen an. Diese Maßnahmen ermöglichten es ihnen, ihre Positionen trotz der italienischen Angriffe zu halten. Teile der Stellungen auf dem Kleinen Pal sind heute als Teil des Freilichtmuseums Plöckenpass erhalten.
Kanaltal
Das Kanaltal war von 1915 bis 1917 ein bedeutender Kriegsschauplatz. Die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien verlief in diesem Tal durch die Orte Pontafel und Pontebba, die im Krieg vollständig zerstört wurden. Obwohl das Kanaltal traditionell eine wichtige wirtschaftliche und militärische Verbindung zwischen Udine und Kärnten darstellte, wagten die Italiener aufgrund der ungünstigen Lage keinen Großangriff in diesem Bereich. Dennoch war das Tal während des Krieges Schauplatz von Scharmützeln.
Nach dem Durchbruch bei Flitsch-Tolmein im Herbst 1917 erhielt das Kanaltal erneut strategische Bedeutung, da es für den Nachschub der österreichisch-ungarischen Armee entscheidend war. Über diese Straße zogen sich im Herbst 1918 zahlreiche Truppen zurück, um der Gefangennahme durch die alliierten Streitkräfte zu entgehen.
Im Zuge des Waffenstillstands 1918 beanspruchte Italien das Kanaltal als Besatzungszone. Der Friedensvertrag von St. Germain im Jahr 1919 bestätigte die italienische Besetzung und übertrug Italien das Kanaltal endgültig.
Julische Alpen
Die Julischen Alpen, heute im Grenzgebiet zwischen Slowenien und Italien gelegen, waren von 1915 bis 1917 ein bedeutender Schauplatz des Ersten Weltkriegs, wobei Teile der Region bereits zur Isonzofront zählten. Diese abgelegene und wilde Gebirgsregion war strategisch wichtig, da sie einen natürlichen Schutzwall bildete und maßgeblich die Verteidigung der österreichisch-ungarischen Truppen prägte.
Die Front in den Julischen Alpen verlief zunächst als Patrouillenlinie, die vom Mittagskofel über die Seisera, den Nabois, das Wischberg-Massiv, die Kastreinspitzen und das Seebachtal bis zum Rombon reichte. Ab dem Rombon begann der eigentliche Abschnitt der Isonzofront.
Die Kampfhandlungen in den Julischen Alpen waren sehr unterschiedlich und oft stark vom Gelände und den extremen Wetterbedingungen geprägt. Im hochalpinen Bereich des eigentlichen Julischen Abschnitts beschränkten sich die Kämpfe oft auf kleine Verbände. Besonders auf dem Rombon führten schwierige Bedingungen wie Gewitter und Blitzschläge zu mehr Verlusten als der direkte Feindkontakt. Um den Krn/Monte Nero führten die Kampfhandlungen zu einem Minenkrieg.
Für die Verteidigung dieses schwierigen Gebiets war der Alpinist und Forscher Julius Kugy von entscheidender Bedeutung. Kugy half dabei, strategische Entscheidungen zu treffen, die den Truppen das Überleben in dieser unwirtlichen Gegend ermöglichten.
Eine Besonderheit dieses Frontabschnitts war die logistische Herausforderung. Die Straße durch das Koritnica-Tal reichte für die Offensive im Herbst 1917 nicht aus, da sie nur unter bestimmten Voraussetzungen genutzt werden konnte. Daher wurde das Bergwerk von Raibl genutzt, dessen Stollen die Gebirgskette unterquerten. Über das Raibler Bergwerk konnten Hunderte Tonnen an Nachschub mittels einer Bergwerksbahn an die Front transportiert werden, was einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Offensive leistete.
Isonzofront
Die Isonzofront war von 1915 bis 1917 Schauplatz schwerster Kämpfe und umfasste sowohl die Julischen Alpen im Norden als auch das Karstgebiet im Süden. Die Front erstreckte sich vom Becken von Tolmein entlang des Isonzo-Flusses bis zum Monte Sabotino, wo der Brückenkopf von Görz begann, und führte weiter über die Karsthochfläche von Doberdo und den Monte San Michele bis zur Adria bei Duino. Insgesamt fanden hier zwölf blutige Isonzoschlachten statt, bei denen Hunderttausende Soldaten auf beiden Seiten ums Leben kamen.
Insbesondere das Karstgebiet, eine steinige und unwirtliche Landschaft, wurde zum Symbol für die Brutalität des Stellungskriegs. Die Italiener unter General Luigi Cadorna setzten alles daran, über den Karst vorzustoßen, um die strategisch wichtige Hafenstadt Triest zu erobern. In den zwölf Schlachten konnten die Italiener jedoch nur geringe Geländegewinne erkämpfen. Die Verluste waren enorm: Es gab rund 300.000 Tote und etwa 700.000 Verwundete auf beiden Seiten, wobei die genaue Zahl bis heute nicht bekannt ist.
Am 23. Juni 1915 begann die erste von insgesamt zwölf Isonzoschlachten. Die Kämpfe konzentrierten sich auf bestimmte Brennpunkte der Front. Das Isonzoknie bei Plava, der Brückenkopf von Görz mit dem Monte Sabotino und der Podgora-Höhe sowie die Hügel des Monte San Michele und des Monte dei sei Busi im Karst waren ständige Schauplätze erbitterter Kämpfe.
Im Sommer 1916 gelang es den Italienern, Görz zu erobern, woraufhin sich die österreichisch-ungarischen Truppen auf eine neue Verteidigungslinie zurückzogen, die über den Monte Santo, den Monte San Gabriele und das Vallone-Tal führte.
Im Süden der Front stießen die italienischen Truppen in der 10. Isonzoschlacht bis an die Hänge der Hermada vor, einer massiv ausgebauten Festung, die den Vorstoß der Italiener erfolgreich stoppte.
In der 11. Isonzoschlacht mussten die Österreicher das Bainsizza-Heiligengeist-Plateau nördlich von Görz aufgeben, was einen schweren Verlust für die österreichische Verteidigung darstellte. Nach dieser Schlacht war klar, dass die österreichisch-ungarischen Truppen die Front ohne Unterstützung nicht länger halten konnten.
Im Herbst 1917 griffen die Mittelmächte schließlich mit einer groß angelegten Offensive an. Mit Unterstützung deutscher Truppen und dem Einsatz des neuartigen Giftgases „Blaukreuz“ startete die Offensive von Flitsch-Tolmein. Sie führte zum Zusammenbruch der italienischen 2. Armee und zwang das italienische Oberkommando, die gesamte Front vom Isonzo bis zur Piave-Linie zurückzunehmen. Diese Offensive war für Italien eine katastrophale Niederlage, die das Ende der Kämpfe an der Isonzofront einläutete.
Die Isonzofront hinterließ tiefe Spuren in der Landschaft und den Menschen. Städte und Dörfer, die einst entlang des Isonzo-Flusses lagen, waren 1918 nur noch Ruinen, und die Hügel und Ebenen waren übersät mit Leichen und Trümmern. Bis heute erinnern unzählige Soldatenfriedhöfe mit Tausenden namenloser Gräber an die Opfer dieser Schlachten. Der Isonzo, der heute als einer der schönsten Gebirgsflüsse Europas gilt, strömt nun wieder durch blühende Städte und friedliche Landschaften, doch die Narben der Kämpfe sind noch immer sichtbar.
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Piave
Der Piave wurde im Herbst 1917 zum Schauplatz schwerer Kämpfe, nachdem die österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen nach dem Durchbruch bei Flitsch-Tolmein die italienische Armee bis in die oberitalienische Tiefebene zurückgedrängt hatten. Diese Offensive, die als 12. Isonzoschlacht bekannt wurde, endete am Piave, wo die Italiener mit Hilfe englischer und französischer Truppen eine neue Verteidigungslinie aufbauten. Trotz des Erfolgs des Durchbruchs konnten die Mittelmächte ihren Vormarsch nicht fortsetzen, da die Nachschubwege zu lang geworden waren. Es kam erschwerend hinzu, dass die Italiener wichtige Brücken gesprengt hatten. Zudem konnte die Artillerie der Infanterie nicht rasch genug folgen, sodass der Angriff ins Stocken geriet.
Am Piave entwickelte sich eine neue Frontlinie, die sich vom Monte Tomba über die Piavedämme bis zu seiner Mündung in die Adria erstreckte. Die österreichisch-ungarische Linie verlief im Wesentlichen entlang des linken Piavedamms, während auf dem rechten Ufer die Italiener ihre Stellungen errichteten.
Das sumpfige Gelände, besonders in der Nähe der Lagunen, war von Malaria geplagt, die viele Opfer unter den Soldaten forderte. Zudem wurde die Ernährungslage für die österreichisch-ungarische Armee zunehmend schlechter.
Im Juni 1918 versuchten die österreichisch-ungarischen Truppen eine letzte große Offensive über den Piave in Richtung Venedig. Trotz anfänglicher Erfolge, bei denen sie den Fluss an einigen Stellen überschreiten konnten, scheiterte der Angriff. Die Brückenköpfe waren zu klein, um strategische Vorteile zu erzielen, und die Artillerie sowie Hochwasser zerstörten die errichteten Schiffsbrücken. Die größten Erfolge erzielten die Mittelmächte im Mündungsgebiet des Piave und auf dem Montello, einer den Fluss dominierenden Höhe, doch dies reichte nicht aus, um den entscheidenden Durchbruch zu schaffen.
Nach dem Scheitern dieser Offensive im Juni erholte sich die österreichisch-ungarische Armee nicht. Als die Alliierten im Oktober 1918 mit ihrer Schlussoffensive über den Piave gingen, mussten sie aufgrund von Hochwasser und starkem Abwehrfeuer zwar ebenfalls hohe Verluste hinnehmen. Doch nach einigen Tagen gelang den alliierten Truppen der Durchbruch, was das Ende der Kämpfe am Piave und den Rückzug der österreichisch-ungarischen Truppen markierte.
Grappa-Massiv
Der Monte Grappa, ein imposantes Massiv zwischen den Tälern der Brenta und des Piave, war während des Ersten Weltkriegs die letzte größere Erhebung vor der venezianischen Ebene und wurde nach dem Durchbruch der Mittelmächte am Isonzo zu einem entscheidenden Schauplatz heftiger Kämpfe.
Im November 1917 erreichten österreichisch-ungarische und deutsche Truppen das Gebiet des Monte Grappa, scheiterten jedoch in ihrem Versuch, durch die Täler weiter vorzudringen. Die Verbände waren zu schwach, um den Gipfel des Grappa zu erreichen, und der Angriff kam zum Stillstand.
Innerhalb weniger Tage änderte sich das Bild grundlegend: Italienische, französische und britische Truppen besetzten das Massiv und verstärkten ihre Verteidigungslinien. Besonders am Monte Pertica gingen die Italiener zu Gegenangriffen über, während die österreichischen Angreifer am Col della Beretta und am Monte Asolone schwere Verluste erlitten. Bis zum März 1918 zogen sich die deutschen Truppen aus dem Grappa-Abschnitt zurück.
Im Juni 1918 starteten die österreichisch-ungarischen Truppen eine Offensive, bei der sie zunächst Erfolge erzielten und sogar die Cadornastraße bei der Osteria la Cibera erreichten. Damit unterbrachen sie die Verbindung der Alliierten zum Grappa-Gipfel, doch der Angriff wurde schließlich gestoppt.
Am 24. Oktober 1918 begann die alliierte Schlussoffensive, die auch den Monte Grappa betraf.
Sekundärliteratur
- Walter Schaumann, Peter Schubert: Süd-West-Front – Österreich-Ungarn und Italien 1914-1918, Verlag Mayer & Comp., Wien o.D.
- Museum 1915-1918 Kätschach-Mauthen [Hrsg.]: Vom Ortler bis zur Adria – Der Gebirgskrieg zwischen Österreich-Ungarn und Italien, Peter-Kübler Verlag & Medienservice, Unterkirnach 2018.
- Alexander Jordan: Krieg um die Alpen – Der Erste Weltkrieg im Alpenraum und der bayerische Grenzschutz in Tirol, Zeitgeschichtliche Forschungen Band 35, Duncker & Humbold, Berlin 2008.