© Verena Pfefferkorn

Hochtour auf dem Sentiero della Pace

In den Adamello-Bergen

07.09.2025

Mehrtägige Hochtour durch die Adamello-Gruppe - DAV Sektion Passau

Mitglieder der DAV-Sektionen Passau und Pfarrkirchen unternahmen eine mehrtägige Hochtour auf dem historischen Sentiero della Pace in den italienischen Alpen. Die Tour, durchzogen von hochalpinen Abstiegen, spannenden Übergängen und historischen Erinnerungen, führte durch die Adamello-Gruppe und bot eindrucksvolle Naturerlebnisse im Wechselspiel von Sonne, Schnee und Geschichte.

1. Tag – Anreise mit erstem Hochgefühl

Die Anreise erfolgte im DAV-Bus, ergänzt durch lokale öffentliche Verkehrsmittel. Am Passo Tonale brachte die Gondelbahn die Gruppe auf Höhe, von wo aus der Aufstieg begann. Höhepunkt war der Klettersteig Sentiero dei Fiori (deutsch: "Blumenweg"). Es ist einer der bekanntesten und spektakulärsten historischen Kriegssteige in der Adamello-Gruppe und bekannt für seine Tunnel, langen Seilbrücken und alten Stellungen. Beeindruckende Aussichten, abstürzendes Gelände im Mix mit vielen Relikten des aus der Zeit des Krieges.

Beim folgenden Abstieg entdeckte die Gruppe eine große Steinbockherde, die den Auftakt zu einem intensiven Bergerlebnis bildete. Tagesziel war das Rifugio Mandrone, eine einladende, behutsam erneuerte Almhütte mit viel Holz, deren Gemeinschaftslager inklusive "quietschendster Stockbetten ever" den Tag abrundeten.

2. Tag – Gipfelziel Adamello gestrichen

Die Erwartungen des Tages lagen klar auf dem Adamello-Gipfel, doch Neuschnee und eine ungünstige Wetterprognose waren gnadenlos. Stattdessen führte die Route trüb über Hügel, Pfützen, Steine, Schutthalden, eine apere Gletscherpassage und Schmelzwasserbäche hinauf zum Rifugio Ai Caduti dell'Adamello. Ein Teil der Gruppe wagte anschließend noch einen verschneiten Aufstieg zu einem Nebengipfel oberhalb der Hütte und wurde mit einem Mini-Gipfelkreuz als Tageshighlight belohnt. Eindruck hinterließ besonders das Rifugio selbst: Einer der Gasträume gleicht einem Museum, mit Vitrinen voller Kriegsandenken – von Konservendosen über Kämme, Wasserbehältnisse bis hin zu Skiern, Rucksäcken und alten Gletscherbrillen.

3. Tag – Planung und Realität

Der Tag begann mit "dem schlechtesten Kaffee der Welt" und einem unmotivierenden, typisch italienischen Frühstück. Der anschließende Abstieg auf den schon sehr zurückgewichenen Gletscher war zwar nicht schwierig, kostete aber Zeit. Die folgende Gletscherpassage war dank Schneeauflage sehr gemütlich, aber dann kam der Übergang. Glücklicherweise war dieser mit Drahtseilen versichert, aber er hatte es trotzdem in sich. Durch den Neuschnee fordernd, kostete er viel Zeit und Energie. Danach präsentierte sich die Landschaft wieder sonnig und klar – den schrofigen Care Alto fest im Blick. Und je näher der Gipfel des Tages rückte, desto deutlicher wurde die Uhr. Zu spät dran für die Kletterei und den unbekannten Abstieg. Zu riskant. Abbruch.
So führte ein schöner Alternativabstieg zum Rifugio Care Alto Dante Ongari, wo eine Kanone oberhalb einer kleinen Kapelle an die Geschichte des Gebiets erinnert. Hütte, heiße Dusche, Kaffee und wirklich gutes Essen sorgten für neue Kräfte – auch wenn das Resümee ernüchternd blieb: zwei Gipfel verpasst. Trotzdem richtig entschieden...

4. Tag – finde den Klettersteig

Bei bestem Wetter startete der vierte Tag mit einem Frühstück weit über Vortagesniveau. Es galt für diesen Tag, zwei Grate zu überschreiten. Drei Steinböcke tauchten in direkter Nähe auf, Flussläufe und Wasserfälle bescherten landschaftliche Reize neben rauhem Fels und herrlich sattem Grün. Die Etappe stellte sich als anspruchsvoller heraus, als die Karte vermuten ließ. Zumal der lange Klettersteige nicht mehr existierte, dafür das Gelände die Schwierigkeit darstellte. Besonders der zweite Übergang hatte es in sich, so dass die Gruppe müde, aber zufrieden das Rifugio Trivena erreichte. Da die Hütte weniger hochalpin liegt, gab es gratis Duschen – sehr willkommen! Die ausgelassene Stimmung des gemütlichen Hüttenabends rundete diesen ereignisreichen Tag ab.

5. Tag – Ausklang mit Dolce Vita

Die letzten Kilometer führten beinahe schon entspannt durch bewaldetes Gelände. Ein Hinweisschild auf Bären animierte zur Diskussion über richtiges Verhalten im Ernstfall. Nach einer Einkehr in einer Malga begann der Abstieg zum DAV-Bus, und bald darauf folgte ein kurzes "Zwischenkoma" im Hotelbett – absolut verdient. Danach lebte die Gruppe italienisches Genussgefühl: Einkäufe von Delikatessen im Supermarkt, Pizza am Abend, später obligatorisches Gelato. So schmeckt la dolce vita nach Tagen in Fels, Schnee und Geschichte.